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body_scan (2017) for e-guitar, saxophone, vibraphone, piano and digital sounds

Süddeutsche Zeitung 29.05.2017
Geschichts- und Sehnsuchtsstunde
Die aDevantgarde verlangt viel von Musikern und Hörern

„Fenster auf! Nikel“ in der Black Box war ein großartiger Abend mit Musik für Saxofon, E-Gitarre, Klavier und Schlagzeug, gespielt vom gleichnamigen Ensemble Nikel… Die Uraufführung von Markus Muenchs „body_scan“ führte konsequent darauf zu; nicht zuletzt geschah das in der sehr persönlichen und raffinierten Ausprägung der guten alten Minimal Musik, aber auch durch Verfremdungen mit Clicks, Sinusklängen oder einer Stimme aus dem Apple-Voice Over. (Klaus Kalchschmid)


data.strings (2007) for 6 part string orchestra, e-bass and digital tape

Süddeutsche Zeitung 1.12.2015:
Zeitgenössisches überzeugt in der Reihe MKO Songbook
…bei Muench dreigeteilte Geigen in „Panorama-Position“, dazwischen Celli und Bratschen, mit dem Kontrabass dahinter, der schon bald von einem E-Bass ersetzt wird. Das ist passend bei einem Stück, das alle Streicher in den buchstäblich höchsten Tönen musizieren lässt, gewürzt durch raffinierte Zuspielungen von Sinustönen, Anrufbeantworter, Oszillator, Mobiltelefon, Knistern oder weißem Rauschen. (Klaus Kalchschmid)

Neue Zeitschrift für Musik 4/2007:
Neuer Minimalismus
Zu hören gab es jedoch überwiegend eben jenen Neuen Minimalismus, der das Festival insgesamt prägte. Die Ausnahme bildete hier Markus Muenchs „data.strings“:
Handy -Sounds sowie Klavier- und Sinustöne treten in einen faszinierenden Diskurs mit Streichern. Der sensibel ausschattierte Klang, den das Münchner Kammerorchester modellierte, zeigte einmal mehr, wie unverzichtbar dieses Orchester für die Neue Musik geworden ist….Ein Grad von künstlerischer Flexibilität, Offenheit und Neugierde wird geboren, der Seinesgleichen sucht. Auch deswegen wurde Muenchs „data.strings“ ein besonderes Hörerlebnis. (Marco Frei)

Süddeutsche Zeitung 15.6.2007
Vielschichtiger Dialog
…während Markus Muench in seinen „data.strings“ virtuos mit aus Handy-Klängen, Klavier und Sinustönen sowie dem weißen Rauschen destillierten Elektronikeinsprengseln die klaren Streicherstrukturen seiner Musik infizierte und einen vielschichtigen Dialog erzeugte. Das Münchener Kammerorchester bewies einmal mehr, wie inspiriert es mit zeitgenössischer Musik umgeht. (Klaus Kalchschmid)

Münchner Merkur 14.6.2007
Erlaubte Handy-Klänge
Vier Uraufführungen für Orchester standen im Mittelpunkt: Markus Muench verarbeitet in „data.strings” manipulierte Klänge von Handys und Spielautomaten und schickt zu diesen Bandzuspielungen den Streicherkorpus des Münchener Kammerorchesters auf Klangfindung, unter anderem mit hochfrequentierten Sinustönen. (Dorothea Husslein)


LZ 129 

Laudatio zum Siegerstück des Wettbewerbs „Stimmbänder.Bandstimmen“ Bayerischer Rundfunk:
Es ist eine der eindrücklichsten Bandstimmen der Radiogeschichte, die Markus Muench für sein Stück „LZ129“ verwendet hat: Eine Live-Radioreportage über die Landung des Zeppelins LZ 129 „Hindenburg“ am 6. Mai 1937, bei der das Luftschiff plötzlich in Flammen aufging und abstürzte. Bald nach diesem Schock wendete man sich von der Luftschifffahrt ab, wofür sicherlich auch der eindrückliche Bericht des Reporters Herbert Morrison mitverantwortlich war: Eine Stimme, die nicht nur den Absturz der Passagiere und der Mannschaft beklagt, sondern – mit Morrisons Ausruf „Oh the Humanity …“ – auch das Unglück der ganzen Menschheit. Es ist eine Stimme, die im Moment des Schreckens die Kontrolle verliert, sich überschlägt, fast selbst abstürzt und nur mit Mühe wieder fängt. Mit musikalischem Gespür dehnt Markus Muench das Stöhnen, Stammeln und Schluchzen Morrisons‘ in die Länge, er filtert, loopt und verändert die Tonhöhe der Worte, umhüllt sie mit dem unruhig flimmernden Rauschen des Originaltons. Von der Reportage bleibt letztlich nur ein undeutliches babylonisches Gemurmel und Gestammel übrig, das sich zeitweise zu einem Klagegesang steigert und dann wieder gänzlich auflöst. Durch die Ausdehnung dessen, was bereits in dieser Stimme angelegt war, gelingt es Markus Muench auf beeindruckende Art, das Geschehen ganz nah an den Hörer heranzuführen – es wird nicht nur ein vergangenes Ereignis erfahrbar, sondern zugleich der Kampf einer Stimme, ihre Sprache zu finden.“ Jury BR (2012)


Homerecording/ Materie 3 + 4

Süddeutsche Zeitung 6.6.2011
Heimarbeit
Die A-Devantgarde suchte den Eros des Alltäglichen und einer Low- Complexity ohne Materialdiktate. Auch das Konzert ‚Homerecording‘ nach einem Konzept von Markus Muench im diesjährigen Festival ‚What Crisis?‘ huldigte ihm. Einmal in den schlichten Produktionsmitteln von PC, Tonband und Video in Do-it-yourself-Praxis, zum anderen mit trivialen Sujets. Aber mit immerhin sechs Uraufführungen. Bei den beiden New Yorkern Annie Gosfield und Michael Gordon zeigten sich allerdings schon Unterschiede… Markus Muench erprobte verschiedene Klangambiente im 8-Kanal-Surround-Sound. Seine ‚Materie 3‘ mit klug organisierten Korrespondenzen von Video- und Audiomaterialien fesselte als eine Art digitaler Synästhesie. Und illustrierte, dass zwar die Politik ihr Krisen hat, nicht aber die A-Deavantgarde. (Klaus P. Richter)

Neue Musikzeitung 7-2011
Nach der Krise ist vor der Krise
Mehr Risiko einzugehen, versprach Markus Muench als Komponist sowie Kurator mit dem Konzertprojekt ‚Homerecording’, das in den Räumen der ehemaligen Klanggalerie „tube“ mit Werken von vier Komponisten für 8-Kanal-Surround-Anlage, Video und einen Musiker (Mathis Mayr, Violoncello). Die Aufgabenstellung verlangte von den Komponisten (Markus Muench, Annie Gosfield, Michael Gordon und Helga Pogatschar), sich auf Heimarbeit zu beschränken, und das komplette Werk von der Idee bis zum abspielbaren Multimedia-Objekt am Laptop zu erstellen. Brillant aufgelöst wurde dies von dem Amerikaner Michael Gordon mit „Unstill Life“ als Tongemälde urbaner Trostlosigkeit, transparent gemacht an der Gestalt eines Obdachlosen auf der Straße vor seinem New Yorker Studio. In seinen Stücken „Materie 3“ & „Materie 4“ entdeckt Markus Muench als Komponist, wie unter einem akustischen Mikroskop, den Klang von Pflanzen und Insekten sowie das latente Grauen der Musik der Stratosphäre. Es gelang hier das Experiment eines Konzerts (fast) ohne Musiker vor einem begeisterten Publikum. (Tobias Söldner)


SHED_SCHUPPEN Installation Video/ Musik

Münchener Merkur 20.6.2013
Eine der härtesten, aber auch spannensten Nummern ist die Videoinstallation von Jörg Staeger und Markus Muench in einem Gartenhaus. Hinter den friedlichen Liegestühlen wird aus den Naturaufnahmen und –geräuschen eine unheimliche Verzahnung: Zerstöhrung, Wachstum, Kontrollverlust assoziiert man bei diesem Sturm der Bilder und Klänge. Die Ruhe, die am Ende einkehrt, ist eine andere als vorher. Man geht mit einem Brummen in der Magengegend hinaus in eine Natur deren Macht wie Schadhaftigkei man erspürt hat. (Freia Oliv)


Cranberry Sauce (2003) for string quartet, tape and video

Theatermaschine 2003
Die Cranberry Sauce von Clea T. Waite und Markus Muench entpuppt sich als wild rotierende Preiselbeersuppe gewürzt mit geschickt montierten Zutaten aus der Gerüchteküche um den vorgeblichen Tod von Beatle Paul. Bild und Tonzitate ergeben eine überraschende neue Einheit. So könnte es weitergehen.


Street-Pow-Wow (2005)

Classica-Repertoire (2006)
Loizillon offre un élégant Tribal tribute pour balafon et électronique tandis que le violoniste Markus Muench reprend un canon à 5 voix de Moondog, dont les accords sont répétés et ralentis, à la manière de Pachelbel dans Discreet music d’Eno… » (Franck Mallet)


Materie 1-3

Süddeutsche Zeitung 3.7.2010
Klingendes Licht: 10 Jahre t-u-b-e
Die Kuratoren Ulrich Müller und Jörg Stelkens hatten ein Stück bei dem Geiger und Komponisten Markus Muench in Auftrag gegeben, und was da unter dem Titel „Materie 1-3“ in Acht-Kanal-Technik den Raum durchflutete, gehört bestimmt zu den positivsten Beispielen avantgardistischer Klangerkundung. Wirkungsvoll arbeitet Muench mit den Gegensätzen elektronischer und instrumentaler Klangerzeugung, minimaler Klangpartikel und kräftigen Klangflächen, sowie verschlepptem und forciertem Tempo. Und hangelt sich von seriellen, minimalistischen Passagen á la Philip Glass „Koyanisquatsi“ über gräuende Horrorfilmpartitur bis zur hymnischen Elektroflut einer „2001-Odysee im Weltall“. Das es nämlich stets irgendwie nach Filmmusik klingt, ist solcher Geräuschmusik immanent- was kein Schaden sein muss, wie man hier hört. (Oliver Hochkeppel)


Under Attack 1+2 for violin and tape

Süddeutsche Zeitung 30.10.2002
MGnM Fest 2002: Tanz der Vampire
…Markus Muench hat den Vorrat an im Äther kreiselnden Tonmaterial zum 11. September als TV-Event in eine bestürzende Montage zusammengedonnert. Das Wiederholungsprinzip des Diskurses, in dem keine Information zu Verstehen ist, stets aber der Affekt des Einbläuens wirkt, streicht eine Live-E-Geige, durch die Schichten der O-Ton-Implosionen zappend, da und dort angriffslustig heraus. Hier wird streng über Minimalismus gerichtet: Wie konnten die Verfahren der Minimal Art absinken zu Mitteln der totalitären Propaganda? Oder: Wie wurde aus Bob Wilsons Theater und den freudig trainierten Repetitionen bei Glass CNN? Muench überholt sein Vorbild Steve Reich: Er rekonstruiert nicht mehr ein moralisches Gleichgewicht unterschiedlicher Charaktere, die sich letztlich musikalisch offenbaren, wie Reich seit Different Trains. Muenchs Under Attack 1 & 2 enttarnt einen bodenlosen Tanz der Wirklichkeitsvampire, in dem es weder Charaktere noch Wahrheit noch Metaphern, sondern nur mehr Praktiken und Funktionen gibt, die wie konkurrierende Geheimdienste voneinander zehren.